Arbeitsbeispiel 3

Ein Matrikeneintrag zur Trauung 1802 wird lesbar

Lateinischer Matrikenauszug aus einem kirchlichen Trauungs- und Sterbebuch der Pfarre Bucheben (Erzdiözese Salzburg). Ein Beispiel dafür, wie aus einem eng geschriebenen Kirchenbucheintrag eine klare Familiengeschichte mit Namen, Herkunft, Beruf, Alter und Trauzeugen wird.

Matrikeneintrag: Trauung Andreas Hölzl und Barbara Kerschbaumerin, 15. November 1802, Pfarre Bucheben.
Der Trauungseintrag vom 15. November 1802 im Kirchenbuch der Pfarre Bucheben. Links neben dem Eintrag findet sich eine spätere Randnotiz „+ 24.6.1830“.
Titelblatt: Trauungsbuch und Sterbe-Buch der Pfarre Bucheben, 1786–1849/1846.
Titelblatt des Bandes: „Matrikenort: Bucheben — Trauungsbuch Tomus I vom Jahre 1786–1849 · Sterbe-Buch Tomus I vom Jahre 1786–1846“.

Ausgangsfrage des Kunden

Wer heiratet in diesem Matrikeneintrag? Welche Personen werden genannt, welche genealogisch relevanten Angaben enthält der Eintrag, und wie sind die lateinischen Formulierungen, Ortsangaben, Berufsangaben und Schreibweisen zu verstehen?

Quelle

Original
Röm.-kath. Erzdiözese Salzburg, Pfarre Bucheben, Trauungsbuch/Sterbebuch, Signatur TRBSTBI, Datumsbereich 01.01.1786–31.12.1850, Bild 6, Trauung Andreas Hölzl und Barbara Kerschbaumerin, 15.11.1802.
Zugriff
Matricula Online, Zugriff am 05.05.2026.
Art der Quelle
Digitale Reproduktion eines kirchlichen Matrikenbuchs.
Schrift / Sprache
Lateinischer Matrikeneintrag in historischer Handschrift, mit weiblichen Namensendungen auf „-in / -inn“.

Transkription

Lateinische Lesefassung mit aufgelösten Abkürzungen; unsichere Stellen sind in eckigen Klammern markiert.

1802. Novembris 15ta. Honestus juvenis Andreas Hölzl, filius legitimus Viti Hölzl, fossoris minarum auri et incolae in [Murrlehen?], et uxoris ejus Mariae Cabrunerinn, defunctorum, et possessor villae Oberschlettern, annorum 29, et pudica virgo Barbara Kerschbaumerinn, filia legitima Bartholomaei Kerschbaumer adhuc in vivis, et uxoris ejus Margarethae Pfeiffenbergerin, piae memoriae, incolae in Kletlehen, et ancilla in Kletlehen, annorum 32. Antonius Kerschbaumer, braxator in Rauris, et Joannes Embacher, rusticus in Mittelschlettern hujus vicariatus. Idem, ut supra.

Die Lesung Murrlehen bleibt unsicher — an dieser Stelle steht in der Arbeitsprobe ausdrücklich ein Fragezeichen.

Moderne Lesefassung

Am 15. November 1802 wurden getraut:

Der ehrbare Junggeselle Andreas Hölzl, ehelicher Sohn des bereits verstorbenen Veit Hölzl, Goldbergarbeiters beziehungsweise Arbeiters in den Goldminen und Inwohners am/im Murrlehen [Lesung und Lokalisierung unsicher], und dessen ebenfalls bereits verstorbener Ehefrau Maria Cabruner. Andreas Hölzl war Besitzer des Hofes beziehungsweise Anwesens Oberschlettern und 29 Jahre alt.

Er heiratete die ehrbare Jungfrau Barbara Kerschbaumerin, eheliche Tochter des noch lebenden Bartholomäus Kerschbaumer und seiner bereits verstorbenen Ehefrau Margaretha Pfeiffenbergerin, seligen Angedenkens. Die Familie war mit dem Kletlehen verbunden; Barbara Kerschbaumerin war dort als Dienstmagd tätig. Sie war 32 Jahre alt.

Als Trauzeugen erscheinen Antonius Kerschbaumer, Brauer in Rauris, und Johannes Embacher, Bauer in Mittelschlettern, dieses Vikariats.

Die Trauung wurde durch denselben Geistlichen vorgenommen wie im vorhergehenden Eintrag — nämlich Ferdinand Pohl, Vikar an diesem Ort.

Genannte Personen

PersonRolleAngaben aus dem Eintrag
Andreas HölzlBräutigamEhrbarer Junggeselle, ehelicher Sohn von Veit Hölzl und Maria Cabruner, Besitzer von Oberschlettern, 29 Jahre alt.
Veit HölzlVater des BräutigamsVerstorben; Goldbergarbeiter / Arbeiter in den Goldminen; Inwohner am/im Murrlehen [?].
Maria Cabruner (Cabrunerin)Mutter des BräutigamsVerstorben.
Barbara KerschbaumerinBrautEhrbare Jungfrau, eheliche Tochter von Bartholomäus Kerschbaumer und Margaretha Pfeiffenbergerin, Dienstmagd im Kletlehen, 32 Jahre alt.
Bartholomäus KerschbaumerVater der BrautZum Zeitpunkt der Trauung noch am Leben.
Margaretha PfeiffenbergerinMutter der BrautBereits verstorben; mit „piae memoriae“ / „seligen Angedenkens“ bezeichnet.
Antonius KerschbaumerTrauzeugeBrauer in Rauris.
Johannes EmbacherTrauzeugeBauer in Mittelschlettern, dieses Vikariats.
nicht namentlich genanntTrauender Geistlicher„Idem, ut supra“ — derselbe wie im vorhergehenden Eintrag (Ferdinand Pohl, Vikar).

Historische Einordnung

Der Eintrag stammt aus einem katholischen Matrikenbuch der Pfarre beziehungsweise Seelsorgestelle Bucheben im Raum Rauris. Kirchliche Matriken waren zentrale Register für Taufen, Trauungen und Sterbefälle. Sie enthalten oft nicht nur das Ereignis selbst, sondern auch Herkunft, Eltern, Stand, Beruf, Alter, Wohn- oder Hofnamen und Trauzeugen.

Auffällig ist der Beruf des Vaters des Bräutigams: fossor minarum auri. Wörtlich bedeutet das etwa „Gräber/Arbeiter der Goldminen“. Diese Angabe passt gut zum Rauriser Raum, der historisch stark durch den Goldbergbau geprägt war. Die lokale Geschichtsdarstellung des Raurisertals nennt den Goldbergbau als wichtigen historischen Faktor; seine Blütezeit lag besonders im 15. und 16. Jahrhundert, doch blieb die Bergbaugeschichte für die Region weiterhin prägend.

Die genannten Orts- und Hofbezeichnungen — Oberschlettern, Mittelschlettern, Kletlehen und möglicherweise Murrlehen — weisen auf eine sehr kleinräumige bäuerliche und hofbezogene Zuordnung hin. Gerade in ländlichen Matriken sind solche Hof-, Lehen- oder Vulgo-Namen genealogisch oft ebenso wichtig wie Familiennamen.

Genealogisch relevante Hinweise

HinweisInhaltGenealogische Bedeutung
Trauungsdatum15. November 1802Fixpunkt für die Familienrekonstruktion.
BräutigamAndreas HölzlAusgangsperson für weitere Forschung in Tauf-, Trauungs- und Sterbematriken.
Alter des Bräutigams29 JahreGeschätztes Geburtsjahr ca. 1773.
Eltern des BräutigamsVeit Hölzl und Maria CabrunerAnschluss an die vorherige Generation.
Status der Eltern des BräutigamsBeide verstorbenSterbeeinträge vor dem 15.11.1802 zu suchen.
Beruf des VatersGoldbergarbeiter / Arbeiter in den GoldminenHinweis auf berufliches Milieu und mögliche bergbauliche Quellen.
Herkunft / Wohnort des VatersMurrlehen [?]Möglicher Hof- oder Lehenname; Lokalisierung noch offen.
Besitzangabe BräutigamBesitzer von OberschletternHinweis auf Hofübernahme, Besitz- oder Katasterquellen.
BrautBarbara KerschbaumerinAusgangsperson für Tauf- und Sterbesuche.
Alter der Braut32 JahreGeschätztes Geburtsjahr ca. 1770.
Eltern der BrautBartholomäus Kerschbaumer und Margaretha PfeiffenbergerinAnschluss an die mütterliche und väterliche Linie.
Status Vater der BrautNoch am LebenSterbeeintrag nach dem 15.11.1802 zu suchen.
Status Mutter der BrautVerstorbenSterbeeintrag vor dem 15.11.1802 zu suchen.
Dienststellung der BrautDienstmagd im KletlehenSozialgeschichtlicher Hinweis; möglicher Aufenthalts- oder Arbeitsort.
TrauzeugenAntonius Kerschbaumer, Johannes EmbacherMögliche Verwandtschafts-, Nachbarschafts- oder Besitzbeziehungen.

Erklärungen zur Schreibweise

Weibliche Namensendungen mit „-in“ oder „-inn“

In älteren deutschsprachigen und lateinischen Kirchenbüchern wurde bei Frauen häufig eine weibliche Namensform gebildet. Dazu hängte der Schreiber an den Familiennamen die Endung -in, -inn oder gelegentlich -erin an.

  • Aus Kerschbaumer wurde Kerschbaumerinn.
  • Aus Pfeiffenberger wurde Pfeiffenbergerin.
  • Aus Cabruner wurde Cabrunerinn.

Das bedeutet nicht, dass der Familienname im heutigen Sinn anders lautet. Für eine moderne genealogische Erfassung würde man den Namen meist normalisieren und das "-in" weglassen.

„Seligen Angedenkens“

Die Formulierung seligen Angedenkens entspricht hier dem lateinischen piae memoriae, häufig abgekürzt als p. m. Gemeint ist: Die genannte Person ist bereits verstorben und wird ehrfürchtig beziehungsweise fromm erinnernd genannt. Im Eintrag bezieht sich das auf Margaretha Pfeiffenbergerin, die Mutter der Braut. Es bedeutet also nicht, dass sie im kirchenrechtlichen Sinn seliggesprochen wurde, sondern schlicht: verstorben, ehrenden Andenkens.

„Vikariat“

Ein Vikariat war ein kirchlicher Seelsorgebezirk, der nicht zwingend eine voll selbständige Pfarre im heutigen Sinn sein musste. Er wurde von einem Vikar oder einer zuständigen Seelsorgestelle betreut. Die Formulierung hujus vicariatus bedeutet „dieses Vikariats“. Bei Johannes Embacher heißt es also sinngemäß, dass Mittelschlettern zum betreffenden Vikariatsbereich gehörte.

Unsicherheiten — offen benannt

Die Orts- beziehungsweise Hofangabe Murrlehen ist nicht sicher gelesen und konnte bisher nicht belastbar als heutiger Ortsname nachgewiesen werden. Es ist aber gut möglich, dass es sich um einen historischen Hof-, Lehen-, Vulgo- oder Kleinortsnamen im Raum Rauris/Bucheben handelt. Bei solchen Flur- und Vulgo-Namen können auch Schreib- und Verständigungsprobleme zwischen Landbevölkerung und Katasterbeamten eine Rolle gespielt haben.

Die Randnotiz „+ 24.6.1830“ deutet sehr wahrscheinlich auf einen später nachgetragenen Todestag hin. Aufgrund der Position links neben dem Bräutigamsblock dürfte sie sich vermutlich auf Andreas Hölzl beziehen. Das sollte aber durch einen Sterbeeintrag vom 24. Juni 1830 überprüft werden.

Nächste sinnvolle Rechercheschritte

  1. Sterbeeintrag vom 24.06.1830 prüfen. Damit ließe sich klären, ob die Randnotiz zum Tod von Andreas Hölzl gehört.
  2. Taufeintrag von Andreas Hölzl suchen. Da Andreas bei der Trauung 29 Jahre alt war, liegt seine Geburt ungefähr um 1773. Zu suchen wäre im Raum Bucheben/Rauris und gegebenenfalls in benachbarten Seelsorgebereichen.
  3. Taufeintrag von Barbara Kerschbaumer suchen. Da Barbara 32 Jahre alt war, liegt ihre Geburt ungefähr um 1770.
  4. Sterbeeinträge der Eltern suchen. Veit Hölzl und Maria Cabruner waren 1802 bereits verstorben; Margaretha Pfeiffenbergerin ebenfalls. Bartholomäus Kerschbaumer war 1802 noch am Leben.
  5. Hof- und Besitzgeschichte zu Oberschlettern prüfen. Da Andreas Hölzl als Besitzer von Oberschlettern genannt wird, sind Grund-, Besitz-, Kataster- oder Hofakten besonders interessant.
  6. Murrlehen über historische Karten und Kataster prüfen. Der Franziszeische Kataster ist hierfür ein besonders sinnvoller nächster Schritt. Er war der erste vollständige österreichische Liegenschaftskataster; für Salzburg erfolgte die erste maßstabgetreue Aufmessung mit Stichjahr 1830. Zu jeder Katastralgemeinde gehören neben der Mappe auch Grundparzellenprotokolle, Bauparzellenprotokolle, Besitzerverzeichnisse und weitere Beschreibungen.
  7. SAGIS / historische Karten nutzen. Das Land Salzburg stellt mit SAGIS ein Geoinformationssystem zur Bereitstellung von Geodaten und Geodiensten bereit; dort sind auch historische Karten als weiterführender Zugang verlinkt.

Ergebnis

Der Matrikeneintrag dokumentiert die Trauung von Andreas Hölzl und Barbara Kerschbaumerin am 15. November 1802 in Bucheben. Er liefert zahlreiche genealogisch verwertbare Angaben: Namen der Eltern beider Brautleute, deren Lebensstatus, Alter der Brautleute, Beruf des Bräutigamvaters, Besitzangabe des Bräutigams, Dienststellung der Braut sowie die Namen und Berufe beziehungsweise Wohnorte der Trauzeugen.

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